070411_einkaufszentrum
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Unter der Moderation von Dr. J. Fischer (Mitte) diskutierten (v.l.n.r.): Dr. Appelt, M. zur Nedden, Cr. Crimmann und Hr. Seidel

Unter der Moderation von Dr. J. Fischer (Mitte) diskutierten (v.l.n.r.): Dr. Appelt, M. zur Nedden, Cr. Crimmann und Hr. Seidel

Auf der Tagesordnung der öffentlichen Fraktionssitzung der SPD am 3. April 2007 im Konzertsaal der Musikschule stand das Thema „Vorstellungen zur Gestaltung eines stadtverträglichen Einkaufszentrums am Brühl“.
„Mit dieser Veranstaltung wollten wir das seit einiger Zeit in unserer Stadt intensiv und kontrovers debattierte Thema Brühl-Bebauung aufgreifen und weiterdiskutieren“ erklärt Dr. Joachim Fischer, Stadtrat der SPD-Fraktion und Vorsitzender des Fachausschusses Stadtentwicklung und Bau.

Martin zur Nedden, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig, erläuterte einleitend die Grundzüge des städtebaulichen Vertrages, der in der Ratsversammlung am 18.04.07 votiert werden soll. Die Stadt hat sich mit dem potentiellen Investor MFI AG darauf verständigt, die Verkaufsfläche am Brühl (inklusive Blechbüchse) um 7.500 auf maximal 27.500 m² zu reduzieren und einen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen. Außerdem sollen 20 Prozent der Flächen am Standort für Wohnraum verwendet, das Kabarett Pfeffermühle, eine Kindertagesstätte und – nach Zuschlag des DFB – ein Fußball-Museum integriert werden. Die Denkmalschutzfassade der Blechbüchse soll ebenso erhalten bleiben, wie die Leuchtschrift „Mein Leipzig lob ich mir“ auf dem Dach des Gebäudes.
Dr. Crimmann von der Architektenkammer Sachsen sieht die Umgestaltung des Brühls auf einem guten Weg. Er ist froh, wenn die Fischer-Art-Verhüllung wieder verschwindet, bedauerte jedoch, dass die guten Ergebnisse des Architekten-Workshops 1999 nicht umsetzbar sind. Seiner Meinung nach braucht der Brühl keine Luftschlösser und extrovertierten Entwürfe. Der mehrstufige Architektenwettbewerb sei zu begrüßen, biete aber keine Garantie, dass das Ergebnis hinterher allen gefällt, wie die Beispiele Bildermuseum und Umgestaltung Augustusplatz zeigen.
Herr Seidel von der Leipziger City-Gemeinschaft betonte, dass das Areal am Brühl dringend aufgewertet werden müsse. Ein großes Einkaufszentrum sehe er jedoch kritisch, da die Kaufkraft nach seinen Informationen rückläufig sei, die Bevölkerungsanzahl im Umland von Leipzig schrumpfe und die Verkaufsfläche in der Innenstadt stark angestiegen ist – in den letzten beiden Jahren allein um 32%. Wenn am Brühl eine neue Shopping-Mall entstehe, drohe Leerstand in den Passagen und Straßenzügen der City, weil Einzelhändler starke Umsatzeinbußen nicht verkraften würden. Statt eines Einkaufszentrums hätte er sich eine anderweitige Nutzung gewünscht.
Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der MFI AG, Dr. Appelt, versprach, dass sein Unternehmen im Rahmen des Vertrages ein Projekt liefern wolle, dass hinsichtlich äußerer Architektur und innerer Gestaltung städtebauliche Qualität bedeutet. Insgesamt werden am Standort über 200 Millionen Euro investiert. Der Brühl müsse der zweite Brückenkopf der Nord-Süd-Achse in der City werden. Er wies die von der City-Gemeinschaft, wie auch von der IHK geäußerten Befürchtungen zurück. Ein neues Einkaufszentrum würde die Attraktivität und die Kaufkraft in der Innenstadt erhöhen und zwar zu Lasten der Shopping-Center auf der grünen Wiese.

In der anschließend sehr sachlich geführten Diskussion, an der sich eine Vielzahl der Gäste beteiligte, wurde ein sehr breites Spektrum der Probleme – Nichtrealisierbarkeit kostenloser Parkplätze in den Tiefgaragen der City, Sortimentstruktur, Steigerung der Attraktivität der Innenstadt als Einkaufszentrum insgesamt – angesprochen.
Die SPD-Fraktion wird dem städtebaulichen Vertrag im Stadtrat zustimmen.