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Auf der Tagesordnung der öffentlichen Diskussionsveranstaltung der SPD-Fraktion in Zusammenarbeit mit dem SPD-Ortsverein Leipzig-West am 6. Juni 2007 in  der „Völkerfreundschaft“ in Grünau stand das Thema „Stadtumbau – Entwicklungsstrategie Grünau 2020“.
„Im Vorfeld der Diskussion im Stadtrat zu diesem Thema wollten wir öffentlich erörtern, welche Vorstellungen die Bürger, die Stadt und die Wohnungsunternehmen (LWB und WG Kontakt) für die künftige Entwicklung von Grünau haben“ erklärt Jürgen Wesser, Stadtrat und sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.
Stefan Heinig, amtierender Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig, Abteilung Stadtentwicklungsplanung, erläuterte einleitend, dass durch den Stadtumbau in Grünau bisher 4500 Wohnungen abgerissen wurden. Dadurch hat die Wohnumfeldqualität zugenommen, der Wegzug konnte gebremst werden, ist aber immer noch ein Problem. Insbesondere weil gleichzeitig zu wenig Menschen neu nach Grünau ziehen. Die überarbeitete Entwicklungsstrategie Grünau 2020 hat drei wesentliche Ziele:

  1. Stadtkern von Grünau (um die Stuttgarter Allee) stärken
  2. Stabilisierung des Stadtteils durch weitere Verringerung des Wohnungsleerstandes
  3. Ausbau der Infrastruktur über zusätzliche Fördermittel von Bund und Freistaat und stärkere Zusammenarbeit der Akteure vor Ort.

Peter Stubbe, Geschäftsführer der LWB, betonte, dass der Stadtumbau leider kompliziert und mit Angst der Bewohner verbunden ist. Die LWB habe bisher die Hauptlast beim Abriss von leer stehenden Wohnungen getragen (ca. 3700). Die Leerstandsquote seines Unternehmens betrage nunmehr nur noch etwas über sieben Prozent, während es in Grünau durchschnittlich 20 Prozent sind. In den kommenden Jahren stehe vor allem die Aufwertung von Wohnungen im Mittelpunkt der Unternehmenspolitik. Altersgerechte Wohnformen und Wohnungszusammenlegungen als Reaktion auf die fortschreitende Singularisierung sind wichtige Themen für die LWB.
Der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Kontakt, Rainer Löhnert, versprach, dass sein Unternehmen sich weiterhin in Grünau engagieren werde und den Stadtteil nicht aufgibt. Grünau hatte zu DDR-Zeiten ein schlechtes Image („Schlammhausen“), viele Menschen sind in den 90er Jahren aus ihren beengten Wohnverhältnissen ausgezogen. Grünau habe keine wesentlichen Unterschiede zu anderen Plattenbausiedlungen der Stadt. Alle notwendigen Dinge hinsichtlich Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten sind vorhanden. Einerseits sei Abriss notwendig, damit die Mieten nicht weiter absinken, andererseits sei auch bei nur 50% Belegung Wirtschaftlichkeit für die Wohnungsgenossenschaften gegeben. Daher habe die WG Kontakt bisher keine Häuser abgerissen und plane dies auch nicht für die kommenden Jahre.

In der anschließend sehr sachlich geführten Diskussion wurden von den zahlreich anwesenden Bürgern z.B. die funktionale Aufwertung von Grünau, Möglichkeiten einer größeren Wohnvielfalt und der Wunsch, die Stadtteile Leipzigs nicht gegeneinander auszuspielen, angesprochen.
Die Landtagsabgeordnete Margit Weihnert erklärte, dass das Bundesprogramm für den Stadtumbau je die Hälfte der Fördermittel für Abriss und Aufwertung vorsieht. Der Freistaat Sachsen, der den größten Leerstand aller neuen Bundesländer hat, hat aber bis 2003 fast ausschließlich den Abriss gefördert. Inzwischen fließen immerhin 22% der Mittel in die Aufwertung der Quartiere. Durch den Einsatz von Bundesminister Wolfgang Tiefensee ist nunmehr auch der Rückbau der Medien (z.B. Wasser, Abwasser, Fernwärme) förderfähig. Ein großes Problem ist jedoch, dass die Wohnungsbau-Förderrichtlinie für dieses Jahr zwischen Bund und Land noch in Verhandlungen ist.
Die SPD-Fraktion wird in der kommenden Fraktionssitzungen beraten, ob es noch Änderungsbedarf an der Neufassung der Vorlage gibt, die im Juli auf der Tagesordnung des Stadtrates stehen soll.