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Redner: Prof. Dr. Getu Abraham, Stadtrat

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Beigeordnete,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Stadträte,
meine Damen und Herren,

Leipzig ohne Auwald ist für viele Leipzigerinnen und Leipziger nicht denkbar. Für mich zum Beispiel ist er auch zum wichtigen Bestandteil meines Alltags geworden. Als leidenschaftlicher Marathonläufer absolviere ich dort im Training seit über 15 Jahren bis zu 2.000 Kilometer pro Jahr . Über den Daumen gepeilt also 170 Stunden, umgerechnet 7 volle Tage im Jahr.

Natürlich kann man mich deshalb für einen heftigen CO2-Ausstoß im Wald kritisieren – aber, es ist halt so.

Doch Spaß beiseite: Wenn aktuell über den Fortbestand des Auwalds gestritten wird, dann geschieht das in einer Weise, in der wir das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren; vor allem aber, in einer Weise, in der kein Kompromiss möglich wird, weil er auch nicht gesucht wird.

Wie im Forstwirtschaftsplan 2019 für den Leipziger Auwald festgestellt wird, ist „[d]ie wichtigste Aufgabe der Bewirtschaftung im Leipziger Auenwald […] die nachhaltige Sicherung des Baumartenreichtums sowie der Strukturvielfalt der Hartholzaue, um dadurch die gesamte Biodiversität (Artenreichtum) zu erhalten“.

Ich greife noch einmal die entscheidenden Punkte gedanklich auf: Die  Bewirtschaftungsaufgabe ist die nachhaltige Sicherung der Biodiversität! Nicht mehr. Und auch nicht weniger.

Dass durch systematische Fällung oder Aufforstung diese Aufgabe automatisch dem Ziel – also: der Erhaltung des Artenreichtums – entgegenläuft, wie mancher meint, sollte deshalb mit Augenmaß diskutiert werden, denn gerade die Aufforstung bietet auch die Chance einer weiteren Entwicklung der Vielfalt.

An keiner Stelle des vorgelegten Forstwirtschaftsplans geht es um eine Homogenisierung des Habitats!

Diesen Eindruck sollte die Debatte nicht erwecken. Und bei allem Respekt gegenüber den Skeptikerinnen und Skeptikern sei gesagt: Skepsis ist angebracht. Klare Kritik ebenso. Waches Hinterfragen ohnehin. Doch nicht nur anderen, sondern auch der eigenen Sichtweise gegenüber.

Die quantitative – und mithin auch qualitative – Veränderung des Holzbestands ist nichts anti-nachhaltiges. Denn, dass „immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann“, stellte bereits Hans Carl von Carlowitz in seinen Überlegungen zum „nachhaltenden Umgang mit den Wäldern“ vor über 300 Jahren fest.

Nachhaltigkeit hat wenig mit Unveränderbarkeit, hingegen viel mit Veränderung und Dynamik, und noch viel mehr mit kluger Vorausschau zu tun. Den Leipziger Auwald zu konservieren bringt niemandem etwas. Auch nicht dem Wald. Ihn schützend und umsichtig zu entwickeln, sollte unser aller Anliegen sein. Der Forstwirtschaftsplan geht hier durchaus bereits in eine gute Richtung, wir haben noch einige Vorschläge gemacht, um die ganze Thematik noch nachvollziehbarer zu machen und ich freue mich, dass die Verwaltung unsere Anregungen als Protokollnotiz aufnimmt. Wir werden den Prozess natürlich kritisch und konstruktiv weiter begleiten

Vielen Dank!