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Redner: Andreas Geisler, Stadtrat

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren Beigeordnete,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Einzelhandelsvielfalt in der Innenstadt und auf den Magistralen:
Ich fasse mich dazu möglichst kurz, denn es sollte nie ein Thema in Wahlkampfzeiten werden. Dafür ist es zu wichtig und mir persönlich auch zu ernst.
Leipzig hat noch eine tolle und belebte Innenstadt. Es lässt sich aber nicht verleugnen, dass der Leerstand bei Antragstellung bei über 20 Prozent lag und zwar leicht wachsend und einige Passagen und Straßen dringend einer Aufwertung bedürfen.

Dazu kommt, dass die Gastronomie und die kulturellen Angebote im Stadtzentrum immer noch auf hohem Niveau vorhanden sind, aber die Einzelhandelsvielfalt langsam schwächelt.
Das ist ein seit Jahren schleichender und langsamer Prozess, dem spätestens heute entgegenzuwirken ist, denn zuschauen und danach wieder eine Einzelhandelsvielfalt aufzubauen erscheint illusorisch. Der sechste Drogeriemarkt X oder Y lockt niemanden mehr vom Baum und auch nicht mehr in unsere tolle Innenstadt. Was ist das Ziel unseres Antrages? Die Verwaltung soll alle relevanten Akteure ins Boot holen und ein Konzept, eine Vision entwickeln für unsere Innenstadt,aber auch mit dem Blick auf den Sprung über den Ring. Uns ist klar, dass wir dort auf das Mitwirken der Vermieter, der Kammern und Verbände angewiesen sein werden und das die Wirtschaftsförderung dort anfangs eher als Berater, Vermittler oder Faktensammler aktiv werden muss. Aber eigentlich müsste das Interesse bei allen Beteiligten hoch sein, so dass wir doch glauben, viele werden mitmachen.

„Weltweit gleichen sich die Innenstädte immer mehr an, und große Handelsketten bestimmen das Bild. Der einzigartige Charme Münchens wird aber vor allem durch die kleinen und traditionsreichen Geschäfte geprägt, die es so in anderen Städten nicht gibt.“ Das hat Münchens Oberbürgermeister bei der Einbringung seiner Vorlage zur Einzelhandelsvielfalt in seiner Stadt gesagt und dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Wir entscheiden zusammen mit denen, die einkaufen, wie unser Viertel und in dem Fall unsere Innenstadtviertel aussehen soll. Lassen Sie uns die Bekanntheit dieser Stadt, die neue Erreichbarkeit im S-Bahn-Netz und den Tourismusfaktor nutzen. Lassen Sie uns gemeinsam mehr Mut zur Kleinteiligkeit beweisen, dort, wo wir es selber in der Hand haben, als Vorbild und dort, wo wir mitgestalten können, als Helfer und Berater. Es gibt leider keine Mietpreisbremsen bei den Gewerbemieten und das macht die Sache so schwer, den Vermietern zu erklären, dass es funktioniert, kleine Geschäfte als langfristige, sichere Partner zu haben, statt auf schnellen Profit zu setzen. Lassen Sie uns gemeinsam den kleinen Geschäften eine Chance einräumen, den neuen genauso wie den alteingesessenen. Lassen Sie Einkaufen in Leipzig wieder mehr zum Erlebnis und zum Event werden. Lassen Sie uns nach neuen Ideen suchen, Produkte auch in ihrer Entstehung zu erleben oder anzufassen und auszuprobieren. Lassen Sie uns überlegen, ob man thematische Straßen oder Passagen schaffen kann, um damit auch Besucherströme zu lenken. Eine Gründerinitiative wäre eine tolle Idee, aber auch die Einrichtung von Läden, wo Konzepte oder Produkte ausgetestet werden können, ohne lange Mietverträge und teure Einrichtungen zu kaufen.

Den Zeitplan haben wir gestreckt, um der Verwaltung für diesen schwierigen Weg Spielraum zu geben. Die Magistralen und die wirtschaftspolitischen Aufgaben der Magistralenmanagments wollen wir uns im Fachausschuss und den Stadtbezirksbeiräten vorstellen lassen, denn die dort leer stehenden Geschäfte hätten auch Potenziale, sich auszuprobieren. Auch dort verödet es mit dem sechsten Döner oder dem vierten Bestattungsunternehmen. Lassen Sie uns alle mal etwas innehalten und über unser Einkaufsverhalten nachdenken, bevor wir immer mehr online bestellen. Denken wir an den Weihnachtsmarkt! Wenn dort die ganzen Buden, die mit ihren tollen festlichen Produkten Glanz in die Augen bringen, weg sind, machen auch Grill und Glühweinbuden keinen Spaß mehr.

In dem Sinne unterstützen Sie unseren Antrag.

Den dazugehörigen Antrag finden Sie hier.

Veröffentlicht in
Reden