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Applaus für Herrn Reiner Engelmann, seines Zeichen Stadtrat der PDS und demnächst Abfallmarkenverkäufer im Landkreis Leipziger Land!

Wie wir der heutigen Ausgabe der Leipziger Volkszeitung entnehmen durften, möchte Herr Engelmann ab dem kommenden Jahr regelmäßig nach Borna, Zwenkau und Markkleeberg fahren, um dort Gartenabfallmarken für 1,50 Euro das Stück zu verkaufen. Möglich macht dies die vorgelegte neue Abfallwirtschaftssatzung der Stadt Leipzig, die kostenlose Wertmarken an die Einwohner Leipzigs ausgibt. Im Landkreis müssen die Bürger dagegen 2,50 Euro dafür bezahlen. Herr Engelmann muss ganz genau durchgerechnet haben, um diese lukrative Marktlücke entdeckt zu haben. Nach Markkleeberg kommt man freundlicherweise mit der Straßenbahn für 4,20 Euro hin und zurück. Das heißt bei bereits drei verkauften Marken hat man schon eine Reingewinn von 30 Cent erzielt. Wenn Herr Engelmann nach Zwenkau fährt, muss er dagegen schon fünf Marken verkaufen, um ins Plus zu kommen, da die Fahrt mit ÖPNV leider schon 6,40 Euro kostet. Eine Tagesaufgabe dagegen erwartet Herr Engelmann wenn er nach Borna reist. Lukrativ wird die Angelegenheit hier erst ab sechs verkauften Marken, da er 8,40 Euro Fahrgeld investieren muss. Wir wissen leider nicht, ob Herr Engelmann ein Auto besitzt und wenn ja, welchen Benzinverbrauch dieses hat. Ansonsten hätten wir auch gerne diese Möglichkeiten durchgerechnet.

Herr Engelmann wirft dem zuständigen Beigeordneten Holger Tschense „Clownerie“ vor. Wir finden, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Applaus für Herrn Engelmanns Auftritt!

Die Fakten sind doch eindeutig: Der Mülltourismus, wie ihn Herr Engelmann befürchtet, soll und muss verhindert werden. Dies haben die Stadträte von der Verwaltung gefordert. Dazu ist ein einheitliches System – das Wertmarkensystem – notwendig. Eine Kontrolle der Personalausweise (PA), Führerscheine oder des Kfz-Kennzeichens durch die Mitarbeiter der Abfallannahmestellen ist nicht praktizierbar. Abgesehen davon, dass dies nicht ihre eigentliche Aufgabe ist. Sie müßten dafür eine Berechtigung haben und dazu extra Schulungen absolvieren. Eine weitere ungeklärte Frage ist die Handhabung bei Bürgern, die ihren Zweitwohnsitz in Leipzig haben. Sie zahlen Miete und somit auch Müllgebühren und sind anspruchsberechtigt, ihren Abfall an den Annahmestellen abzugeben. Einen Nachweis können sie anhand des PA, des Führerscheins oder des Kfz-Kennzeichens nicht erbringen. Sollen sie daher immer ihren Mietvertrag mitbringen müssen? Nein, diese Lösung kann nicht im Interesse der Beteiligten sein!